Es ist eines dieser unbeschreiblichen Glücksgefühle, das mich überkommt, als wir nach einer 24-stündigen Reise endlich im Hotelzimmer ankommen, die Taschen in die Ecke schmeissen und uns aufs Bett fallen lassen. «Eigentlich ist es verrückt, dass wir es geschafft haben», denke ich mir. Wir stecken mitten in der Pandemie, viele Länder machen entweder komplett dicht oder öffnen und schliessen die Grenze wie ich an einem typischen Apriltag meine Frühlingsjacke. Die Airlines stornieren Flüge am Laufmeter oder stellen ihren gesamten Flugplan auf den Kopf. Begonnen hat die Reise damit, dass wir erst Stunden vor Abflug alle ein negatives Covid-Testresultat in den Händen hielten. Weiter, dass die Flüge von Zürich in Madrid und Guayaquil pünktlich ankamen. Als dann auch noch der Schnelltest in Guayaquil negativ ausfiel, war die Erleichterung riesengross! Es würde uns nichts mehr an unseren Traumferien auf den Galápagos Inseln hindern.
Wir nehmen uns nur eine kurze Auszeit, denn es gibt viel zu entdecken und so schnappen wir uns Fahrräder und radeln durch den kleinen Hauptort Puerto Ayora auf der Insel Santa Cruz, dann weiter der Küste entlang, wo uns fremde Kreaturen begegnen. Pelikane sitzen auf Bäumen und farbige Riesenkrabben sonnen sich auf schwarzen Steinen Seite an Seite mit Meeresleguanen. Am Fischmarkt hoffen Seelöwen auf einen runterfallenden Happen oder chillen am Pier auf einer (für Menschen gedachten) Holzbank. Die Szenerie ist sonderbar. Für uns aber genau das Richtige, denn wir sind im Nu in den Ferien angekommen und brauchen keine weitere Angewöhnungszeit.

Am nächsten Tag werden wir abgeholt und zu unserem Schiff gebracht, auf dem wir die nächsten 5 Tage verbringen werden. Die innere Uhr lässt uns früh aufstehen und wir beschliessen den Morgen zu nutzen und machen uns auf zum schönsten Strand von Galápagos, der Tortuga Bay. Diese Bucht ist bekannt dafür, die Spielwiese für Meerestiere zu sein. Kaum angekommen, sehen wir Pelikane und Leguane aber auch Jungtiere von Schwarzspitzenriffhaien und Rochen! Es ist die ideale Umgebung für die Kleinen, um auf kleinere Fische jagt zu machen. Und so kommt es, dass wir zwischen den etwa 70 cm grossen Haien schwimmen gehen. Die Tiere sind sehr neugierig und kommen gerne nahe an einen heran. Das Adrenalin steigt, selbst wenn keine Gefahr besteht. Eine grüne Meeresschildkröte, die 10 Meter weiter im Trüben schwimmt, wird da schnell zur Nebensache.

Auf dem Schiff werden wir von unserem Guide bereits erwartungsfroh begrüsst. Zu den einzigen anderen Gästen zählt ein junges Paar aus der Deutschschweiz und so kommen wir auf den Genuss einer fast privaten Galápagoskreuzfahrt komplett auf Schweizerdeutsch. Unsere Reiseleiterin Maya ist eine ausgewanderte Bernerin und schenkt uns einen unverblümten Einblick in das Leben in Ecuador im Generellen und Galápagos im Speziellen! Die Tour starten wir mit der Vogelinsel Seymour Norte, wo wir uns den Fregattvögeln mit ihrem eindrücklichen roten Ballon bis auf wenige Meter nähern können. Der Star der Insel ist jedoch der berühmte Blaufusstölpel mit seinem kurligen Balztanz.

Eine der Besonderheiten von Galápagos ist das zutrauliche Verhalten der Tiere gegenüber Menschen. Da diese Tiere uns nie fürchten lehrten, können wir bis 2 Meter an sie heran gehen (näher ist verboten), ohne dass sie sich gestört fühlen. Am nächsten Tag geht es auf unserer charmanten „Angelito“ zum „Chinese Hut“, wo wir zum ersten Mal schnorcheln dürfen. Wir hatten dann tatsächlich das Glück, einen Galápagospinguin bei der Jagd zu beobachten. Wobei beobachten das falsche Wort ist, denn der Pinguin sauste um uns herum, zwischen uns hindurch und verfolgte den Fischschwarm - und das während knapp 2 Minuten! Auf meinem wackeligen Video sieht man den Pinguin meistens nur verschwommen, ausser als er wie ein Torpedo bis auf 20 cm auf mich zuschiesst, um dann doch wieder für den nächsten Angriff auf die Fische abzudrehen. Wie ein Vogel ohne langen Schwanz noch kräftige Füsse so eine Geschwindigkeit erreichen kann, ist mir ein Rätsel.

Weiter geht das Abenteuer in den Norden, zur Insel Genovesa. Die Ornithologen unter uns kommen voll auf ihre Kosten. Nascatölpel, Rotfusstölpel und weitere Vögel kreisen über uns. Am Boden versuchen die Männchen die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu ziehen.

Einmal mehr sind wir beindruckt, wie viele Tiere wir sehen. Zurück auf dem Schiff geniessen wir frische Fruchtsäfte, tolles Essen oder lernen, wie Ceviche - eines der Nationalgerichte Ecuador’s - zubereitet wird. Am nächsten Tag erreichen wir die Insel Santiago und Rábida, welche beide für die landschaftliche Vielfalt der Galápagos stehen. Ungläubig laufen wir morgens über schwarzen Sand und bei der nächsten Insel über roten Sand. Aufgrund des vulkanischen Ursprungs hat jede Insel seinen eigenen landschaftlichen Charakter und das, obwohl gewisse Inseln nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind.

Zurück auf Santa Cruz, beschliessen wir noch einige Tage auf der grössten Insel von Galápagos zu verbringen. Isla Isabela hat den Ruf, noch nicht von Touristen überlaufen zu sein. Nicht dass das während Corona ein Problem gewesen wäre (wir waren immer die einzigen an Orten, wo man sonst noch andere Touristen antreffen würde). Isabela hat ebenfalls sehr viel zu bieten, am ersten Tag machen wir eine geführte Tagestour und wandern zum Vulkan Sierra Negra mit seiner riesigen Caldera und dann weiter zum Vulkan Chico, der aus einem unwirtlichen, mondähnlichen Feld herausragt. Nach dieser 7-stündigen Wanderung gönnen wir uns eine Pause, während wir die Abendsonne auf dem Dorfplatz von Villamil geniessen. Den Tag lassen wir bei einem romantischen Strandspaziergang ausklingen.

Am nächsten Morgen stehen wir wieder zeitig auf, denn heute steht DAS Highlight schlechthin von Isabela auf dem Programm. Mit einem Boot fahren wir der rauen Küste entlang bis zu den berühmten Lavatunnels von Tintoreras. Dort verspricht man uns Seevögel, Meeresschildkröten, Schwarzspitzenriffhaie und mit etwas Glück auch Seepferdchen. Wie das so ist auf Galápagos, übertreffen die Tiere die Versprechungen der Guides bei weitem! Wir sehen diese Tiere nicht nur, wir gehen auf T(a)uchfühlung mit den Tieren und können sie aus nächster Nähe beim Fressen beobachten. Galápagos sprüht einen unvergleichlichen Charme aus, die Tiere leben ohne Angst, ungestört, so wie das vor Hunderten von Jahren auf der ganzen Welt der Fall war. Wir beobachten, wie sich ein kleines Seepferdchen an einem Ast festklammert, und sind überwältigt von der Einfachheit des Momentes. Dass Charles Darwin genau hier auf seine Evolutionstheorie kam, kommt nicht von ungefähr. Jeder Tag ist aufs Neue voller Überraschungen und Details, die man mit Geduld und bei genauerem Betrachten entdecken kann.

Zum Abschluss unserer unvergesslichen Galápagostour leihen wir uns wieder Fahrräder aus und fahren damit zur „muro de las lagrimas“. Ein ehemaliges Gefängnis (oder vielmehr die übrig gebliebene Mauer) dient heute als Mahnmal und gleichzeitigem Aussichtspunkt für Touristen. Auf der Fahrt begegnen wir den Namensgebern der Inseln, den mächtigen Galápagosschildkröten! Gleich ein halbes Dutzend grasen gemütlich und nehmen erst von uns Notiz, als wir vor ihnen stehen. Da diese Tiere früher von den vorbeifahrenden Walfängern gejagt und gegessen wurden, ziehen sich die trägen Riesen in Ihre Kammer zurück, sobald sie Gefahr wittern.

Ich bin überwältigt von der Schönheit der Natur, der Zutraulichkeit der Tiere und wundere mich darüber, dass Galápagos nicht bei jedem zuoberst auf der Wunschliste steht! Wer Tiere und raue Landschaften mag, den wird Galápagos umhauen.

Logo: Globetrotter Group Logo: Reisegarantie